Dirk Hochlenert über DFS-Versorgung
Dr. Dirk Hochle­n­ert über die DFS-Versor­gung im „Kölner Fußnetz“.

Rechts­de­pe­sche: Jüngst hat der Dortmun­der Diabe­to­loge Dr. Alexan­der Risse das „Kölner Fußnetz“ lobend hervor­ge­ho­ben. Seit wann beschäf­ti­gen Sie sich mit den Problem­la­gen rund um das Diabe­ti­sche Fußsyn­drom (DFS) und was war der Anlass?

Dr. Dirk Hochle­n­ert: Im Jahre 2002 fand der erste Quali­täts­zir­kel statt; der Verein wurde dann 2003 einge­tra­gen. Grund­ge­danke war es, einen Quali­täts­sprung durch die Vernet­zung der Versor­gung zu errei­chen.

Im Zuge der Anschub­fi­nan­zie­rung, die sich durch das Gesund­heits­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz (GMG) ergaben, konnte der erste Vertrag für die Integrierte Versor­gung (IV) abgeschlos­sen werden. Diesem sind nahezu alle großen Kassen beigetre­ten.

Mit Ende der Anschub­fin­zie­rung sind die Finan­zie­rungs­mög­lich­kei­ten auf den ganzen Bereich Nordrhein ausge­dehnt worden. Die Bildung weite­rer Netzwerke war die notwen­dige Folge.

Die Zahl der Behand­lungs­fälle steigt

Rechts­de­pe­sche: Wie viele DFS-Fälle werden im Durch­schnitt pro Jahr behan­delt?

Hochle­n­ert: Leider ist ein konti­nu­ier­li­cher Anstieg der Fallzah­len zu beobach­ten. Unsere Daten­lage ergibt für das Jahr 2010 eine Anzahl von 12.629 behan­del­ten Patien­ten in allen Netzwer­ken. An einem akuten diabe­ti­schen Syndrom litten 5.248 Patien­ten.

Rechts­de­pe­sche: Gibt es mit dem Blick auf die Amputa­ti­ons­rate Unter­schiede, ob ein Patient herkömm­lich oder im Netzwerk behan­delt wird?

Hochle­n­ert: Wir können für unsere Netzwerke feststel­len, dass die Zahl der Majoram­pu­ta­tio­nen erfreu­lich niedrig sind. Wir verzeich­ne­ten zum Beispiel für das Jahr 2009 eine Quote von 2 Prozent. In der Regel­ver­sor­gung muss von 5 bis 10 Prozent ausge­gan­gen werden.

Die ambulante DFS-Versor­gung ist effek­tiv

Rechts­de­pe­sche: Kann man darüber hinaus Aussa­gen über die Effek­ti­vi­tät der vernetz­ten DFS-Versor­gung treffen?

Hochle­n­ert: Bei circa 50 Prozent der in der statio­nä­ren Regel­ver­sor­gung befind­li­chen Patien­ten ist eine rein ambulante Betreu­ung möglich. Die Einspar­ef­fekte liegen auf der Hand.

Rechts­de­pe­sche: Vor dem Hinter­grund dieser Erfolge: Wie gestal­tet sich die Zusam­men­ar­beit mit den Kosten­trä­gern?

Hochle­n­ert: Die DFS-Versor­gungs­mög­lich­kei­ten sind gemein­sam mit den Kosten­trä­gern entwi­ckelt worden, entspre­chend erfreu­lich ist das Mitein­an­der.

Auf fachli­cher Ebene gibt es einen inten­si­ven Austausch. Beispiels­weise hospi­tie­ren Mitglie­der der Kassen in unseren Praxen und nehmen an unseren Lehrgän­gen teil. Auf diese Weise wird bei den Kassen das Verständ­nis für die beson­de­ren Problem­la­gen der DFS-Patien­ten geschärft.

Im Gegen­zug wird unser Bewußt­sein für die enormen Anfor­de­run­gen an eine funktio­nie­rende, flächen­de­ckende Versor­gung geprägt.

Ein Plädoyer für die Zweit­mei­nung

Rechts­de­pe­sche: Was ist Ihr Appell an die Politik?

Hochle­n­ert: Die Vergü­tung sollte sich an der Quali­tät orien­tie­ren. Ich plädiere insbe­son­dere dafür, dass keine Majoram­pu­ta­tio­nen ohne Einho­lung einer quali­fi­zier­ten und unabhän­gi­gen Zweit­mei­nung honoriert werden. Es ist schlech­ter­dings zu ertra­gen, dass es mehr Geld dafür gibt, das Bein zu amputie­ren als das Bein zu retten.

Das Inter­view führte Michael Schanz.